Freeschenboom

 

 

Geschichte

Freeschenboom Die Frieseneiche:
Auszug ins gelobte Land
„So steht am Rande des Stühe eine wundervolle Eiche, welche das Volk die Holländer oder Frieseneiche nennt, weil die Hollandgänger unter ihrem weiten Gezweige und auf dem hübschen Rasenplatze, den sie beschattet, auf ihren Reisen zu rasten und auch zu über
nachten pflegen." Das berichtet 1864 der Bremer Stadtbibliothekar vom Freeschenboom.
Die Skizze (links) des Oldenburger Malers Ludwig Fischbeck zeigt die gewaltige Eiche, deren Stammumfang am Boden zehn Meter maß kurz vor ihrem Einsturz im Mai 1889. Bei völliger Windstille brach der jahrhundertealte, innen hohle Baumgigant unter seinem eigenen Gewicht zusammen.
Im Schatten seiner mächtigen Krone hatten sich alle Jahre wieder die "Hollandgänger" aus nah und fern getroffen, um von hier in Gruppen gemeinsam nach Holland zu gehen. Holland galt als das gelobte Land und wer daheim nicht sein Auskommen fand. suchte dort sein Brot zu verdienen: als Grasmäher, Torfstecher oder Seemann. Bittere Not trieb die Leute dazu: Zweit- und Drittgeborene, die der elterliche Hof nicht miternähren konnte, aber auch die Väter kinderreicher Familien, ja selbst Lehrer zogen als Wanderarbeiter nach Holland.
Die Sterberegister der Kirchenbücher zeugen davon, dass viele krank von der harten Arbeit heimkehrten und mancher in der Ferne sein Seemanns Grab fand.
Der jetzige Eichbaum wurde im April 1981 von der Dorfgemeinschaft Klattenhof gemeinsam mit dem Revierförster gepflanzt: zur Erinnerung an die „Frieseneiche" und die Männer, die von hier aus ins Ungewisse zogen.


 

                                 Förster

Revierförster Johannes Steffens zwischen,,Freeschen Boom"-Gedenkstein und -Informationstafel mitten im Stühe. Kultur inmitten der Natur

Dorfgemeinschaften und Forstverwaltung weihen Radwanderweg im Stühe ein

Neue Wegweiser und ausgebesserte Wege erleichtern Radwanderern zwischen ,,Freeschen Boom", Welsburg und Hasen-Ahlers-Denkmal die Orientierung. Die aufwändigen Vorarbeiten münden am Sonntag in ein Einweihungsfest. Von Reiner Haase Stühe. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit und 12.000 Euro finanzieller Aufwand werden am kommenden Sonntag, 10. August, mit einer Feier zur Einweihung des neu ausgeschilderten und ausgebesserten Radweges durch den Stühe und seine Umgebung belohnt. Im Mittelpunkt steht das Abradeln des Rundweges mit informativen Pausen an den kulturhistorischen Stätten am Wegesrand. ,,Über die Welsburg gibt der frühere Bezirksarchäologe Dr. Jörg Eckert Auskünfte, über die Frieseneiche - auf Platt ,,Freeschen Boom" - und das Hasen-Ahlers-Denkmal der passionierte Heimatforscher Gerold Spille aus Klattenhof", kündigt Revierförster Johannes Steffens an.
Vertreter der Dorfgemeinschaften Bürstel-Immer, Bergedorf und Klattenhof haben mit dem Revierförster, dem Bezirksarchäologen und dem Heimatforscher nahezu zwei Jahre lang am Konzept für die neuen Orientierungshilfen und Informationstafeln gefeilt und erfolgreich nach Sponsoren gesucht. ,,Die Sponsoren hat unser ,Natur und Kultur'-Konzept überzeugt", ist Steffens gewiss. Gefunden wurden die Geldgeber in der Wirtschaft ebenso wie in den Rathäusern in Ganderkesee und Dötlingen sowie im Kreishaus in Wildeshausen.
Der Orientierung dienen Übersichtskarten am Parkplatz im Stühe, am Welsburger Damm in Bergedorf und an der Sternkreuzung in Klattenhof nahe dem Hasen-Ahlers-Stein, außerdem die gängigen Radweg-Hinweisschilder. An den drei genannten Brennpunkten der Kulturgeschichte stehen außerdem neue informative Tafeln. ,,Es folgt noch eine vierte Tafel mit Hinweisen auf das Welsburg-Tal", kündigt Steffens an.
Ein Glücksfund macht die Sache richtig rund: Während der Planung des neuen Radwegenetzes spürte Jürgen Püschel, der Designer der Informationstafeln, im Internet bei eBay das Angebot der wohl einzig erhaltenen ,,Freeschen Boom"-Skizze des Hasbruch-Malers Ludwig Fischbeck auf, und der Dorfgemeinschaft Klattenhof gelang es tatsächlich, die Skizze zu ersteigern. Eine Reproduktion des Bildes von der mächtigen Eiche, unter der sich einst die jungen ,,Hollandgänger" trafen, um zum Broterwerb ins friesische Nachbarland zu ziehen, ist jetzt auf der ,,Freeschen Boom"-Infotafel mitten im Stühe wiederzufinden.

 

 


Die Frieseneiche im Stühe - De Freeschenboom

Es war die älteste und stärkste Eiche im Stühe. Sie hatte am Boden einen Umfang von 10 m und in Mannshöhe noch von 7,50 m und einen Durchmesser von 2,50 m. Der Baum lief in 4 großen Ästen auseinander und hatte eine herrliche Krone. Ende Mai 1889, als die Bäume schon ihr volles Laub entwickelt hatten und ein tagelanger Nieselregen einsetzte, fiel der Baum bei völliger Windstille um. Er war innen total hohl und konnte das Gewicht nicht mehr tragen. Er wurde noch kurz vor seinem Um-sturz von dem Oldenburger Maler Ludwig Fischbeck in seinem Skizzenbuch festge-halten.

Warum hatte diese Eiche den Namen „Freeschenboom"? Der Bremer Stadt-bibliothekar J.G. Kohl schrieb 1864 „So steht am Rande des Stühe eine wundervolle Eiche, welche das Volk die „Holländer-" oder „Frieseneiche" nennt, weil die Hollandgänger unter ihrem weiten Gezweige und auf dem hübschen Rasenplatze, den sie beschattet, auf ihren Reisen zu rasten und auch zu übernachten pflegen." Alle Jahre wieder trafen sich hier die „Hollandgänger" aus nah und fern, um von hier in Gruppen gemeinsam nach Holland zu gehen. Bittere Not trieb die Leute dazu, denn die Zweit- und Drittge-borenen hatten auf dem elterlichen Hofe keine Chance, Geld zu verdienen. Vielfach waren es auch die Väter kinderreicher Familien. Selbst Lehrer waren immer wieder unter den Hollandgängern, als es noch keine Sommerschule gab. Holland war damals das gelobte Land, was viele Wanderarbeiter aufnahm.
Ein Großteil war als Grasmäher tätig, andere arbeiteten in der Torfgewinnung. Ein dritter Teil heuerte auf holländischen Schiffen an. Es mussten schon starke, gesunde Kerle sein, denn es war harte Arbeit und in den Sterbe-registern der Kirchenbücher kann man nach-lesen, dass die Leute oft krank aus Holland wiedergekommen sind. Manche sind auch mit den Schiffen in Seenot geraten und unter-gegangen...
Um die Erinnerung hieran zu halten, wurde von der Dorfgemeinschaft Klattenhof im April 1981 am selben Ort eine neue Eiche gemein-sam mit dem Förster Steffens der Revier-försterei Stühe gepflanzt.

Ludwig Fischbeck (1866 - 1954) Oldenburgischer Hofkunsthändler, Maler, Radierer und Vergolder, lernte Malerei bei seinem Onkel, dem Hoftheatermaler Wilhelm Mohrmann in Oldenburg und studierte bei Prof. Joseph Wenglein in München. Später erwarb er auch Fertigkeiten im Vergolden von Statuen und Bilderrahmen in der Bayrischen Metropole. Sein Lebenswerk als Landschafts-maler entstand so zunächst in den Alpen und ihrem Vorland, vor allem aber danach in seiner Oldenburger Heimat. Er stand in hoher Gunst der Familie des Großherzogs und diente ihr u.a. als Berater beim Erwerb wertvoller Kunstwerke. Viele Motive für seine Bilder fand er auf langen Wanderungen in der Region, wobei er auch den Kontakt zu seinem Künstlerfreund Müller vom Siel in Dötlingen pflegte. Seine Handskizze vom Freeschen-boom im Stühe gibt uns die Möglichkeit, eine realistische Vorstellung von diesem impo-santen Baum zu gewinnen. Hier ausgestellt: Eine graphisch überarbeitete Vergrößerung. Das altersbedingt vergilbte, eher unschein-bare Original misst 10,7 x 17,7 cm.

Klattenhof, im August 2007
Gerold Spille, Götz Neuber

 

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